

St. Peter und Paul!
Welchem Berliner wäre das kein
Begriff ? Seit 168 Jahren lockt diese kleine Kirche auf den" Stolper
Bergen" zum Gottesdienst, zur stillen Andacht und heute zu vielen
anderen Anlässen.
Zunächst waren es die Anwohner von Stolpe
und Klein-Glienicke und die wenigen Bewohner der Pfaueninsel, später
aber, nach dem Ersten Weltkrieg, auch die Ausflügler, die aus
der Stadt ins Grüne zogen.
Längst ist St. Peter und Paul
eine Kirche ohne Pfarrgemeinde.
Ihre jetzige Gemeinde ist in der ganzen
Stadt, ja, auch in anderen Ländern
zu finden, Parochial- und Landesgrenzen überschreitend.
Der Tag
ihrer Einweihung ist der 13. August. Dieses Datum ist für den
Berliner ein Begriff.
Hier treffen sich Erinnerungen an preußisch-brandenburgische
Geschichte einerseits und deutsch-deutsche andererseits.
Erinnerung
geschehener Geschichte ist aber nach biblischem Verständnis immer
auch Erinnerung des Weges, den Gott uns führte.
Sie darf und
soll - trotz allem - einmünden ins Gotteslob.
Dem diente diese Kirche, dem möge sie auch weiter dienen!
Bischof Martin Kruse
Der
Name Nikolskoe ist diesem Teil der Havellandschaft vom Blockhaus gegeben worden.
Die Tochter des Bauherrn der Kirche, König Friedrich-Wilhelm III. von
Preußen, PrinzessinCharlotte, heiratete am 13. Juli 1817 den russischen
Großfürsten Nikolaus Pawlowitsch. In diesem Zusammenhang trat sie
zur russisch-orthodoxen Kirche über und bekam den Namen Alexandra Feodorowna.
Ihr Mann wurde nach Tod und Thronverzicht seiner Brüder 1825 als Nikolaus
I. russischer Zar. Im Jahre 1818 besuchte der König seine Tochter und
den Schwiegersohn in St. Petersburg. Bei dieser Gelegenheit unternahm die Familie
einen gemeinsamen Ausflug aufs Land zu einem russischen Bauernhaus.
Nach seiner Rückkehr ließ der König durch den Potsdamer Hauptmann
Snethlage und sein Gardepionierbataillion Bauarbeiten in der Nähe der Pfaueninsel
beginnen. Dazu schreibt der Hofbiograph jener Tage, der evangelische Bischof
Ruhlemann Friedrich Eylert: " Auf dieser stillen Höhe sammelt sich
gern, wie von selbst, das Gemüt: es wird ihm wohl und "hier möchte
man Hütten bauen". Der König ließ hier eine Hütte bauen
und zwar - keiner wusste warum - ein russisches Blockhaus mit allen ihm eigentümlichen,
nationalen Einrichtungen und nach einem Plane, den er von einem russischen Baumeister
in St. Petersburg hatte kommen lassen. Zum Kastellan machte er einen geborenen
Russen mit Namen Ivan, - ein schöner alter Mann mit langem weißem
Bart, in der bequemen russischen Nationaltracht.
Als ein Jahr darauf der russische Zar
Nikolaus I. und seine Gemahlin, die Zarin, zum Besuche in Berlin und Potsdam
waren, die noch nichts von diesem Baue wussten, führte sie der König
dahin.
"Siehe", sprach er zu seiner Tochter Charlotte, "ein russisches
Bauernhaus. Es ist eine vollkommen treue Kopie des Blockhauses, das Dir so wohl
gefiel, und in welchem wir froh waren, als ich euch in Petersburg besuchte. Du
wünschtest dir damals ein solches Haus und meintest, man könne darin
ebenso vergnügt sein, als in einem kaiserlichen Palaste. Dies, dein Wort
habe ich behalten und zum Andenken daran gerade ein solches Haus hier dir zur
Liebe erbauen lassen. Heute wollen wir froh es einweihen, und nach dem dir teuersten
Namen soll es heißen für immer "Nikolskoë".
Vielleicht verdient es in unseren Tagen festgehalten zu werden, dass die Pioniere
das Blockhaus innerhalb von sechs Wochen errichteten. Am 19. Juni 1984 brannte
der Holzbau frühmorgens aus. Es ist in sorgfältiger Weise restauriert
worden und wurde am 29. November 1985 für die Berliner und ihre Gäste
wieder eröffnet.
Der preußische
Staat hatte seine Finanzen nach der Niederlage gegen Napoleon I. 1806/07 vor
allem dadurch saniert, dass er das Kirchenvermögen und auch das Vermögen
des Johanniterordens enteignet hatte.
Friedrich-Wilhelm III. als der König,
unter dessen Herrschaft die Enteignungen durchgeführt worden waren, nahm
seine Verpflichtungen gegenüber der Kirche ernst. Zu seinen Lebzeiten wurden
sehr viele Kirchen in Preußen neu gebaut.
Für den Bereich der Pfaueninsel
fühlte er sich darüber hinaus gewissermaßen als deren "Gutsherr" besonders
verantwortlich.
"Es musste dem König deshalb wie aus der Seele gesprochen
sein, als seine Tochter, die Gemahlin des russischen Kaisers Nikolaus I., bei
einem Besuche, den sie in Berlin und Potsdam machte, in stiller Abendstunde dem
Könige gegenüber den frommen Gedanken äußerte, wie erbaulich
und schön es doch sein müsse, wenn diese Abendstille von Glockengeläut
durchtönt werde und hier eine Kapelle zum stillen Abendgebet einlade." (Kritzinger)
Bauplanung
Vom 22. Mai 1832 datiert eine Kabinettsorder an den Hofmarschall von Maltzahn,
der um einen Bericht gebeten wird, auf den hin der König " den Bau
der Kirche und des Schulhauses auf der dazu geeignetsten Höhe diesseits
der Havel ausführen lassen will." Ein Jahr später lässt der
König dem Hofmarschall am 27. April 1833 mitteilen: "Die Kirche soll
im Stil der russischen Kirchen, ohne ihr jedoch die dem Stile charakteristischen
5 Türme (einen kuppelartigen in der Mitte und vier kleine auf den Ecken)
zu geben, sondern nur mit einem Turm erbaut und darnach die Zeichnung entworfen
werden."
Friedrich Wihelm III. August
Stüler
Peter
Joseph Lenné

Bei der Planung und Ausführung des Baus der Kirche haben Männer mitgearbeitet,
deren Namen in der Berliner Kunstgeschichte einen guten Klang haben.
Bei der
Auswahl des Friedrich-Wilhelm III. sich am 2. Juni 1834 von einem königlichen
Matrosen auf die Havel am Fuß der Nikolskoer Höhe entlangrudern lassen.
Gleichzeitig hatte er einige Matrosen mit Fahnen auf die Höhe befohlen,
die sie an verschiedenen Bäumen aufziehen mussten, damit er vom Wasser aus
den am besten geeigneten Bauplatz bestimmen konnte. Der entwerfende Architekt
August Stüler hatte den Bauherrn darauf hingewiesen, die Kirche nicht zu
dicht am Blockhaus zu bauen, weil vor dem Hintergrund der dunklen Bäume
des Waldes für das Kirchengebäude eine kontrastreichere und malerische
Wirkung erreicht werden konnte.
Der Gartenbaudirektor Peter Joseph Lenné und
der später ausführende Architekt Albert Dietrich Schadow hatten am
gleichen Tag die Abholzungsstellen markiert.
Bei der Gestaltung des Glockenriegels
und des und des Vorplatzes hat der Architekt Karl-Friedrich Schinkel Anregungen
gegeben.
Eine kleine Änderung in der Kuppelform des Turmes nach dem Willen Seiner
Königlichen Hoheit wäre noch zu berücksichtigen
"...Die kleine
Kuppel des Turmes würde auch nach höchster Bestimmung dem asiatisch-russischen
Stil gemäß vergoldet."
In seinem Genehmigungsschreiben teilt
der König am 21. März 1834 mit: "Die unter der 9. Rubrik des Anschlages
von den Kosten des Kirchenbaues für die Vergoldung der Kuppel und des Kreuzes...
angesetzten 466 Thlr. 15 Silbergroschen fallen aus. Kuppel und Kreuz sollen grün
gestrichen werden."
Im Laufe von mehr als 140 Jahren war die Farbe über
den Zinkplatten durch Witterungseinflüsse fast gänzlich verschwunden.
1979/80
wurde die Kirche nach konservatorischer Beratung von Dr.Christiane Segers-Glocke
unter der Bauleitung von Manfred Gramm instandgesetzt. Die Kriegsschäden
wurden beseitigt und die Ziegel nach dem alten Muster neu verfugt.
Bei dieser
Gelegenheit wurden Farbreste an der Turmhaube entdeckt. Nach ihnen konnte die
Kuppel mit einem grünen Anstrich und sparsamer Vergoldung wieder ihrem ursprünglichen
Erscheinungsbild angenähert werden.
Baubeschreibung
Glockenspiel
Nach
dem Zweiten Weltkrieg erklang jahrelang durch einen Lautsprecher vom Turm eine
Tonbandaufnahme des Glockenspiels "Üb`immer Treu und Redlichkeit" der
zerstörten Potsdamer Garnisonskirche.
Jetzt hängen in der linken Loggia
24 Glocken, die am 27. September 1985 von der Gießerei Petit & Fritsen
in Aarle-Rixtel, Niederlande gegossen worden sind. Sie sind in der Woche vor
dem 1. Advent von Eduard Korfhage und seinem Monteur Dieter Stiegemeyer aus Melle-Buer
mit dem Küster Alexander Zwank als Glockenspiel zusammengebaut worden.
Am 1. Dezember 1985 und 15 Uhr wurde es mit einem Gottesdienst eingeweiht.In
die Glocken sind biblische Friedensworte eingegossen. Am 13.September 1987 wurden
4 weitere Glocken geweiht.Am 17.Mai 1994 wurde das defekte elektromechanische
Walzenspielwerk durch eine elektronische Steueranlage "Bellmaster" ersetzt,
die eine größere Melodienvielfalt ermöglicht.
Das neue Glockenspiel - es war seinerzeit das umfangreichste in Berlin - erklingt
von 10 Uhr bis Sonnenuntergang zu jeder vollen Stunde. Um 12 Uhr spielt es nach
dem Choral "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" die
vertraute Potsdamer Melodie, zu allen anderen Stunden eine je nach der Kirchenjahreszeit
wechselnde Choralmelodie. Es kann zusätzlich auch über eine Klaviatur
von Hand bespielt werden.
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