



Das
Innere der Kirche steht in einem gewissen Kontrast zu dem auf malerische Fernwirkung
bedachten "russischen" Äußeren der Kirche.
Sie ist in ihrer Saalform und den Emporen das einzig original erhaltene Beispiel
einer sogenannten Berliner Vorstadtkirche, eines Bautyps, der von Karl-Friedrich
Schinkel entwickelt worden war. Unter dem hölzernen Altar befand sich
auf dem Grundstein der Kirche eine Metallplatte mit eingravierter Inschrift:
"Gegründet im Jahre des Herrn 1834.
Aufgebaut von König Friedrich-Wilhelm dem Dritten. Vollendet 1837.
Der Herr erhalte diesen seinen Tempel als ein Denkmal
des Christlichen Sinnes seines erhabenen Erbauers bis
in die spätesten Zeiten.
Der Name des Herrn sei gepriesen in Ewigkeit Amen."
Auf dem Altar steht ein zeitgenössischer Kruzifixus, der durch den weißen
Alabasterkorpus des Gekreuzigten vor dem Kreuz aus schwarzem Eisen besonders
eindrücklich wirkt.
Die Gestaltung der original erhaltenen Ausmalung der
Altarapsis deutet an, dass Karl-Friedrich Schinkel, der Lehrer und Vorgesetzte
des Architekten August Stüler, einige Zeit seines Lebens seinen Unterhalt
als Bühnenbildner verdient hat.
Ab 1994 wurde die stark verschmutzte und
nachgedunkelte Ausmalung gründlich gereinigt und ausgebessert, so dass
nach dieser Renovierung die innere Gestaltung der Kirche wieder in der gleichen
Helligkeit und Farbigkeit sichtbar geworden ist wie zur Schinkelzeit.
1884 wurde der Altar durch Einfügung zweier Bronzestatuetten der Namensapostel
der Kirche Petrus und Paulus verändert. Diese Figuren hat Prinz Carl v.
Preußen 1883 nach seinem Tode der Kirche vermacht. Die beiden Apostel
sind an ihren jeweiligen Attributen erkennbar. Petrus trägt in seiner
rechten Hand ein Buch und in der linken zwei Schlüssel. Sie sind ein Hinweis
auf Matthäus 16,19, wo Jesus diesem Jünger die Binde- und Lösegewalt
für die Christenheit zuspricht, die später von der Kirche auf die
Beichte gedeutet wurde: "Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches
geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst
sein". Paulus trägt in seiner Linken ein Schwert. Den Briefen dieses
Apostels verdankt die Christenheit für ihre innere und äußere
Ordnung sehr viel, und es gehen von ihnen bis in unsere Zeit immer wieder Erneuerungsimpulse
für Kirche und Welt aus. Das Schwert ist ein Hinweis auf Kapitel 6, 17
des unter seinem Namen überlieferten Briefes an die Christen in Ephesus: "Nehmt
das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes".
Die beiden Figuren sind Nachbildungen der Apostel des Sebaldusgrabes in Nürnberg,
die von Peter Vischer, einem der bedeutendsten Bronzegießer der Renaissance,
geschaffen wurden.
Im Zuge der Innenrenovierung stellte der verantwortliche Architekt, Dr. Peter
Lemburg, fest, dass ein bis dahin als Osterleuchter benutztes Stück aus
Zinkguss ein zur ursprünglichen Ausstattung gehörender Altarleuchter
war. 1994 wurde eine Kopie des fehlenden Stückes, das offensichtlich 1945
von unbefugter Hand ohne Eigentumsvereinbarung entfernt worden war, nachgegossen.
Diese beiden vergoldeten Zinkgussleuchter stehen jetzt abwechselnd mit den ostpreußischen
auf dem Altar.
Die je nach Kirchenjahreszeit wechselnden Altarbehänge wurden zum größeren
Teil gegen Ende der fünfziger Jahre in der Werkstatt für Paramentik
des Klosters Stift zum Heiligengrabe in der Priegnitz nach Motiven der Meisterin
Elli Franke gewebt. Bei der Auswahl ihrer symbolischen Motive aus der Bilderwelt
der kirchlichen Kunst bat der Gemeindekirchenrat seinerzeit darum zu bedenken,
dass St. Peter und Paul am Wasser liegt.
Links
vor dem Altarraum - an dem von Schinkel empfohlenen Standpunkt - steht in Emporenhöhe
die hölzerne Kanzel auf vier Achtkantpfeilern mit korinthischen Kapitellen.
Sie hebt sich durch ihre lichte Bemalung vom übrigen Kircheninneren ab.
Sie trägt zwei Medaillons mit den Namensaposteln der Kirche: Petrus und
Paulus. Es sind römische Mosaiken, die Papst Clemens XIII. (1758-1769) dem
Preußenkönig Friedrich d. Großen (1740-1786) geschenkt hatte.
Sie sind auf Veranlassung des Bauherrn in der Kanzel angebracht worden.
Die dritte,
der Gemeinde abgewandte Medaillonfläche ist mit der Kopie eines Christuskopfes
mit der Dornenkrone nach Guido Reni gefüllt. Sie ist von dem Küster
der Kirche und Lehrer der königlichen Freischule Carl Fischer, der während
der letzten Regierungsjahre Friedrich-Wilhelms IV. (1840- 1861) in Nikolskoe
amtierte, majolikaartig auf eine präparierte Tontafel gemalt worden. Die
Farben hat er dann in seinem eigenen Backofen eingebrannt.
Ihm wurde für
diese Arbeit ein Ehrensold angeboten, er bat jedoch nur darum, "frei von
Arzt und Arznei" sein zu dürfen. Diese Bitte wurde ihm gewährt
und dabei hinzugefügt, "dass diese Bewilligung nicht nur ihm, sondern
ein für alle Mal, allen Lehrern und Küstern an der Schule bzw. Kirche
von Nikolskoe zugute kommen solle."
Die durch die große Höhe der
Kanzel verursachte Distanz zwischen Prediger und Gemeinde wurde als sehr unpraktisch
empfunden.
Nach langen Vorüberlegungen und dem Provisorium eines hässlichen
Lesepults aus Pressspanholz ist 1968/70 nach Entwürfen des Architektenehepaares
Dipl. Ing. Helga Ochs und Prof. Karl-Wilhelm Ochs eine zweite Kanzel mit einer
Brüstung aus schlichten senkrechten eisernen Rundstäben ausgebaut worden.
Sie steht am Fuß der alten Kanzel und ermöglicht dem Prediger eine
größere Nähe zur Gemeinde.
Die
Orgel steht wie der Altar unter einem Rundbogen. Sie wurde ursprünglich
mit zehn Registern und einem Manual von der Firma Turley aus Treuenbrietzen gebaut.
In ihrem Grundbestand ist sie die älteste Orgel an Ort und Stelle in Berlin.
Zum 100-jährigen Jubiläum der Kirche wurde sie 1937 von der Potsdamer
Orgelbauanstalt Alexander Schuke nach einem Dispositionsentwurf von Prof. Wolfgang
Reimann, Berlin- Halensee unter Beibehaltung des alten Prospektes erneuert. Das
Instrument wurde eine Elle in den Raum gerückt, hatte danach 19 Register,
verteilt auf zwei Manuale und Pedal, mit Schleifladen, mechanischer Traktur für
die Tasten und elektrischer Traktur für die Registeranlage.
1985 wurde das
Instrument unter der Wahrung des historischen Bestandes von der Berliner Orgelbauwerkstatt
Karl Schuke grunderneuert und wieder auf eine mechanische Traktur für die
Registeranlage zurückgearbeitet.

Von
diesem Eingang stammt das Terrakottamedaillon mit dem Christuskopf an der gleichen
Längswand.
Es wurde 1977 von Waldbauarbeitern wieder aufgefunden.
Das Bildnis ist eine Auszugskopie des "Segnenden Christus" von Berthel
Thorwaldsen (1768-1844) Dieser dänische Bildhauer hat die Frömmigkeit
und das Jesusbild der Menschen des vergangenen Jahrhunderts nachhaltig geprägt.
In
den Zwickeln über den Bögen für Altarraum und Orgel sind in Medaillons
auf Fresken
die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen im Hintergrund
zu sehen:
Markus (Löwe),
Matthäus (Engel),
Lukas (Stier),
Johannes
(Adler)
Sie sind von Bernhard Wilhelm Rosendahl (1804-1846) gemalt worden.
Die
flache Decke des saalartigen Kirchenraumes ist mit zurückhaltend bemalten
Holzkassetten ausgefüllt. Der umlaufende Fries wird über dem Altarbogen
von einem Fresko mit einer fliegenden Taube unterbrochen. Sie ist ein Hinweis
sowohl auf die hebräische Bibel - das Alte Testament - als auch die griechische
Bibel - das Neue Testament.
Im 8. Kapitel der Genesis (1. Mose) wird erzählt,
dass Noah die Arche nach der Sintflut erst verließ, nachdem die von ihm
ausgeschickte Taube beim dritten Mal nicht wieder zurückkehrte.
Im Markus-Evangelium (1,10) wird berichtet, "dass
der Himmel sich öffnete, und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam",
als Jesus nach seiner Taufe durch Johannes aus dem Wasser des Jordan stieg.
In ihrer bald nach Fertigstellung verfassten Baubeschreibung bemerkten die Architekten: "Die
Fenster... geben ein ruhiges und vollkommen ausreichendes Licht. Die gekreuzten
Bleisprossen ziehen ein Netz über die lichte Öffnung, welches durch
bunte Scheiben ein teppichähnliches Ansehen erhält. Die äußere
Einfassung besteht aus rothem Überfangglase, in welchem die... ausgeschliffenen
Arabesken sich silberweiß zeichnen. Nach innen grenzt daran ein schmales
Band von blauem Glase, mit gelben viereckigen Rosetten auf schwarzem Grunde:
blau und gelb sind die Sterne in den Fensterfeldern, und roth, blau und gelb
wieder die Rose in der Kreuzung der Pfosten."
In dieser Weise sind die Seitenfenster erst wieder seit 1988 erlebbar, denn in
den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges kam es durch Kampfhandlungen zu Zerstörungen
ihres Glases. Nach Kriegsende kam in der Nähe der Kirche darüber hinaus
noch eine Luftmine zur Explosion. Die Fenster wurden mit leicht veränderten
Maßen und nicht originalgetreuem Material zunächst nur provisorisch
wiederhergestellt. Lediglich die Rosetten an der Westseite waren in den ursprünglichen
Farben erhalten geblieben. Die Fenster über dem Altar waren ebenfalls zerstört.
Aus Glasresten wurde das Mittelfenster so gut es ging in der originalen Form
wiederhergestellt. Zum Einbau der vier weiteren Rundfenster wurden Glasreste
sowie Bestände aus einem alten Fenster des St. Willibrord-Doms in Wesel
am Niederrhein verwandt, die sich im Besitz der Familie des damaligen Pfarrers
Joachim Strauss befanden.
Zur
750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987 hatte der Regierende Bürgermeister
eine Projektliste mit der Bitte um Spenden zusammengestellt, in die auch die
Wiederherstellung der Nikolskoer Seitenfenster aufgenommen wurde. Die Berliner
LIONs-Clubs erklärten sich zur Übernahme bereit.
Die in Berlin ansässige Firma Alexandra-Restaurierungen stellte die Unterlagen
für die Rekonstruktion zusammen, die nach öffentlicher Ausschreibung
von der Franz Mayer´schen Hofkunstanstalt aus München ausgeführt
wurde. Die nicht ganz einfachen Glasschliffe stammen vom Nürnberger Schleifer
Seguin. So ist jetzt die Kirche innen fast wieder genau so erlebbar, wie es von
ihren Erbauern beabsichtigt war.
Die Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe ist eine der wenigen evangelischen
Kirchen mit diesem Namen, die nach der Reformationszeit in Deutschland gebaut
worden ist. Es ist nicht bekannt, warum sie nach diesen beiden Aposteln benannt
wurde. Es ist möglich, dass die beiden bereits vorhandenen Mosaikmedaillons
Anlass für den Namen waren. Andererseits gilt es bei der Kirche, die auch
gebaut worden ist, um russisch-preußische Freundschaft darzustellen, zu
bedenken, dass die Peter-Pauls-Kathedrale auf der gleichnamigen Festung der Zarenstadt
die älteste russisch-orthodoxe Kirche in St. Petersburg ist. Möglicherweise
ist man aber einfach deshalb auf diese beiden Namensapostel gekommen, weil die
Kirche über der Havel, d.h., an einem fischreichen und schiffbaren Fluss
liegt, und Petrus ein Fischer und Paulus Schiffsreisender waren.
Am 29. Juni feiert die Kirche den Tag dieser Heiligen.
Das Kirchengebäude ist vom Bauherrn, den Baumeistern und den Bauhandwerkern
mit einer uns heute sehr ansprechenden Sorgfalt geplant und ausgeführt worden.
Die vielfältige Art des Ziegelmauerwerks, die Verwendung von architektonischen
Zierstücken aus gebranntem Ton, die durchdachte Ausmalung des Inneren, die
farbige Gestaltung der Fenster und die Einbeziehung des Bauwerks in die Havellandschaft
zwischen der Pfaueninsel und Potsdam haben in der Kirche St. Peter und Paul auf
Nikolskoe ein Kunstwerk von seltener Geschlossenheit entstehen lassen.
Im Einladungsschreiben zur Einweihung der Kirche am 13. August 1837 teilt der
Superintendent "Sämmtlichen Bewohnern der königlichen Pfaueninseln" grußlos
den Wunsch mit, "dass nicht bloß am Tage dieser Feier, sondern an
jedem anderen Tage des Herrn die Gemeindeglieder sich fleißig an dem Orte
einfinden mögen, wo Gottes Wort rein und lauter gepredigt wird."
Die geringe Zahl der um die Kirche wohnenden Menschen war von Anfang an ein Problem.
Damals wohnten 80 Personen auf der Pfaueninsel, heute sind es 35. Besonders nach
dem 1881 abgeschlossenen Bau einer Kapelle in Klein-Glienicke sank die Zahl der
in Nikolskoe stattfindenden Gottesdienste erheblich.
1931 öffnete der damalige Potsdamer Superintendent Görnandt die Kirche
für Wochenendausflügler. 1932 holte er Pastor Fritz Schmidt-Clausing,
der selbst als Schüler oft vor der verschlossenen Tür von St. Peter
und Paul gestanden hatte, als ersten hauptamtlichen Geistlichen für die
Ausflügler. Seither steht die Tür der Kirche im Gegensatz zu vielen
anderen Evangelischen Kirchen allen Besuchern weit offen.
Wilfried M. Heidemann (1983 bis 1999 Pfarrer in Nikolskoe)
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