Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Besucher der
Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe!

Hinter uns liegt ein Jahr mit vielen Erfahrungen und Erlebnissen, guten wie schweren, wir haben viel erreicht, aber vieles ist auch nur Fragment geblieben. Dieses Jahr ist nun vollendet, Gott allein kann es zu einer Gesamtgestalt werden lassen. Vor uns liegt ein neues Jahr, ein Schaltjahr, wie es alle vier Jahre vorkommt. Menschen, die einst an einem 29. Februar geboren sind, können dieses Jahr „ihren“ Geburtstag feiern. In allem bleibt das Geheimnis der Zeit, wie wir es in dem großartigen Gedicht des Predigers, Kapitel 3 lesen können Alles hat seine Zeit!

Ein sehr persönliches Wort des Apostel Paulus ist uns als Jahreslosung gegeben Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig (2. Korinther 12,9). In diesem Kapitel schreibt Paulus von den Offenbarungen Gottes und von seiner Schwachheit. Gottes kann er sich rühmen, aber seiner selbst kann er sich nicht rühmen, es sei denn, er rühmt sich seiner Schwachheit. In Kapitel 10 zählt er auf, was er erlitten hat, was ihm an Schwerem widerfahren ist. Dieses Bekenntnis hat in der Tradition zu Missverständnissen geführt, dass die Schwachheit ein Markenzeichen christlicher Existenz sei. Wichtig bleibt der Vordersatz Lass dir an meiner Gnade genügen.  Der Theologe Eduard Schweizer schreibt: Gnade, das heißt doch ganz einfach: Gott sagt ja zu mir, und das ist genug. Die Jahreslosung ist ein Wort, das eine sehr tiefe Beziehung zwischen Gott und uns Menschen zum Ausdruck bringt: Wir müssen nicht immer stark sein! Eine wichtige Einsicht in einer Zeit, die Perfektionismus und Stärke zu ihren Zielen erklärt. Defizite, Anfeindungen, mangelnde Anerkennung und Schwachheit sind kein Makel, sondern vielmehr Voraussetzung, dass Gottes Kraft zur Entfaltung kommen kann.  Von dem Sozialphilosophen Adorno ist überliefert: Geliebt wirst du einzig da, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.

Das vor uns liegende Jahr hat viele Tage des Gedenkens. Einige möchte ich erwähnen:
Zu allererst das 175-jährige Jubiläum unserer Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe. Am 13. August 1837 ist sie eingeweiht worden. Wir wollen dieses Ereignis gebührend feiern mit einem Festgottesdienst, in dem unser Bischof Dr. Markus Dröge predigen wird, am Sonntag, 26. August 2012, 15 Uhr. Nähere Informationen im nächsten Nachrichtenblatt.
Am 20. Januar gedenken wir des 70. Jahrestages der unseligen Wannseekonferenz, auf der die „fabrikmäßige“ Vernichtung des jüdischen Volkes von den Nazis beschlossen wurde. Gerade jetzt ist von uns höchste Wachsamkeit gefordert angesichts der vielfältigen Umtriebe durch sogenannte Neonazis. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch schreibt Brecht in seiner Kriegsfibel 1955. Schauen wir nicht weg im Land der Wegschauer!
Am 24. Januar wird der 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen gefeiert. Genügend Anlass zu kritischer Würdigung, zumal unsere Kirche durch Friedrich Wilhelm III, seinem übernächsten Nachfolger erbaut wurde.
In diesem Jahr gedenken wir des großen Komponisten Dietrich Buxtehude, dessen 375. Geburtstag zu feiern ist.
Am 22. März begeht die literarische Welt den 180. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe. Angesichts der drohenden Verlotterung unserer Sprache ist eine erneute Beschäftigung mit seinem Werk von Notwendigkeit und großem Nutzen.
Für das danieder liegende ökumenische Gespräch tut die Erinnerung an den Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII. am 11. Oktober vor 50 Jahren gut. Welche Hoffnungen auf neues Leben der Ökumene sind durch den Lauf der Zeiten erstarrt! Es ist eine geistige Befreiung, die Texte damaliger Zeit heute zu lesen. Vielleicht springen Funken über!
Nachzutragen ist ein Gedenktag, für den sich eine Gruppe Berliner Theologen interessiert: Am 7. Februar ist des 100. Geburtstags des Theologieprofessors Dr. Gerhard Koch zu gedenken. Eine Gruppe Berliner Theologen hat durch ihn im Predigerseminar eine wache theologische Zurüstung erfahren. In unserer Kirche St. Peter und Paul ist er kurz vor der Christvesper am 24. Dezember 1968 gestorben. Wir wollen uns an ihn am Sonntag, den 12. Februar, erinnern.

Herzliche Segenswünsche für das neue Jahr und gute Grüße – auch von den MitarbeiterInnen und dem Kuratorium Ihr Claus Marcus.